Von Boadilla del Camino nach Carrión de los Condes

Als ich heute früh kurz vor 7 Uhr von der umgebauten Scheune, in der ich übernachtet hatte, ins Haupthaus ging, um zu frühstücken, war es noch stockdunkel. Der Himmel war klar und unzählige Sterne funkelten über mir. Schon nach dem Frühstück war der Himmel voller düsterer Wolken und es sah aus, als wollte gleich ein mächtiges Unwetter losbrechen.
Beim Aufbruch zu meinem dritten Wandertag auf dem iberischen Hochplateau färbten sich die Wolken rosa und sahen schon viel weniger bedrohlich aus. Zum Sonnenaufgang lief ich gerade an einem baum- und schilfbestandenen Kanal entlang und die ersten Sonnenstrahlen tauchten die Welt um mich herum in Gold. Das obige Bild ist dort entstanden.
Der magische Moment dauerte nur wenige Minuten. Die Wolken waren bald ganz verschwunden und für den Rest des Tages wölbte sich über mir ein unendlich weiter, blauer Himmel.
Etwa 6 km nach dem Start der heutigen Etappe bin ich durch Frómista gekommen, einem kleinen Ort mit einer weit zurück reichenden Geschichte. Im Jahr 1066 gründete Munia Mayor, Gräfin von Kastilien und Witwe des navarrischen Königs Sancho III, hier ein Benediktinerkloster. Von den Gebäuden steht nur noch die Kirche San Martín, eine der wichtigsten romanischen Kirchen am Jakobsweg. Das Besondere an ihr sind die feinen Steinmetzarbeiten an den Dächern und Gesimsen. Menschenähnliche Geschöpfe, Tiere und Fabelwesen schauen von oben auf die Betrachter. Besonders schön im inneren der Kirche sind die Säulenkapitelle mit reichhaltigen pflanzlichen und ikonographischen Motiven.

Den heutigen Tag bin ich wieder einmal zusammen mit John aus England gelaufen. Er ist Psychologe und wird bald pensioniert. Wir hatten uns gestern unabhängig voneinander für die gleiche Herberge entschieden und schon dort den Abend zusammen verquatscht. Das ausgesprochen interessante Gespräch haben wir dann heute während unser Wanderung über die Meseta fortgesetzt. Unser Ziel war das kleine Städtchen Carrión de los Condes.
Untergekommen sind wir dort in der Herberge Espititu Santo des Klosters Hijas de la Caridad de San Vicente de Paul. Dort gibt es für jeweils 5 Euro ein freistehendes Bett mit viel Platz rundherum und viele nette Worte von der Nonnen-Herbergsmutter (aber nichts zu essen). Gegessen haben wir dann in einem Restaurant in der Stadt. Der letzte Höhepunkt des Tages war die Pilgermesse mit abschliessender Segnung der etwa 50 anwesender Pilgerbrüder und -schwestern in der Kirche nebenan.
