13. Oktober 2015 – Tag 71

Von Logroño nach Nájera

Und das steht als besonderes Ereignis des heutigen Tages in meinem Reisetagebuch:

„Ich sitze gerade im Aufenthaltsraum der städtischen Pilgerherberge von Nájera, der um diese Zeit auch der Essraum ist. Und der ist gerade fest in südkoreanischen Händen. Zwei Gruppen KoreanerInnen haben den hiesigen (spanischen) Supermarkt durchstöbert und ein wildes Sammelsurium zu einem asiatischen Festmahl verkocht. Da gibt es scharfe, spanische Würstchen zu Pizza und gekochte Eier zu Nudeln… und ich bekomme laufend etwas Neues zum Probieren. Wunderbar, ich habe hier den ganzen Tag Hunger und lasse keine Mahlzeit aus. Wandern macht einfach hungrig!

Neben mir sitzt übrigens ein junger Mann aus Lettland, der sich ein Pfund Hühnerfleisch zum Abendessen gebraten hat. Auch von ihm habe ich ein paar Leckerbissen bekommen.“

Heute bin ich gut 26 km von Logroño nach Nájera gelaufen. Hügel hoch, Hügel runter und links und rechts Weinreben in Herbstfarben mit süßen, kleinen Trauben, die bei der Weinlese übersehen wurden. Ich habe davon den ganzen Tag genascht. Der Himmel war die meiste Zeit grau und wolkenverhangen, aber es hat nicht geregnet.

Weinreben in der Region La Rioja
In der Region La Rioja, in der ich mich jetzt befinde, reicht die Geschichte des Weinanbaus über zweitausend Jahre zurück

In Navarrete, dem ersten größeren Ort dieser Etappe, gibt es eine große, alte Kirche. Als ich sie betrat, hörte ich eine Frau singen, dann gingen die Beleuchtung des Altars an… Und ich war überwältigt. Leider fehlen mir die Worte für das, was ich dort sah und hörte. ‚Glaube in Gold und Musik’ gibt euch vielleicht eine Idee. Und, klar, habe ich versucht, die Stimmung dort in der Kirche in einem Bild festzuhalten. Leider fehlt der Gesang, die räumliche Tiefe, der goldene Glanz…

Pfarrkirche von Navarrete
Der Bau der Pfarrkirche Nuestra Senora de la Asuncion von Navarrete wurde wurde 1553 n. Chr. begonnen; sie wurde aber erst im 17. JH fertiggestellt. Der Hauptaltar von Fernando de la Pena zählt mit seinen vergoldeten salomonischen Säulen zu den bedeutendsten Barockaltären in der Provinz Rioja.

In der Cafébar neben der Kirche habe ich ein Ei-Sandwich gegessen und einen Milchkaffee getrunken. Mit der Energie daraus konnte ich auch am Nachmittag weitere Hügel hoch- und runtersteigen.

Jakobsweg neben Autobahn
Auch heute verlief der Jakobsweg ein langes Stück entlang einer Autobahn

Nach dem Duschen und Sockenwaschen habe ich das Zentrum von Nájera erkundet und das alte Kloster besichtigt. Nun ist es bald Zeit schlafen zu gehen. Es gibt in der Pilgerherberge nur einen Schlafraum mit gut 40 Doppelstockbetten. Zum Glück war ich rechtzeitig hier und habe ein Bett in einer der Ecken bekommen. Fenster auf oder zu… ich weiß nicht, welche Fraktion heute dominiert. Ich lass‘ mich überraschen.